Für das Miteinander von Geistlichen und Laien
Die Mitwirkung der Laien auf allen Ebenen der Verantwortung in der Kirche ist für uns unverzichtbar. Wir glauben, dass die richtigen Entscheidungen nur durch einen Dialog der gesamten Kirche gefunden werden können. Dabei ist es auch wichtig, dass die Meinung von Minderheiten ernst genommen wird.

Unsere Kirche ist bischöflich-synodal verfasst, d.h. alle Entscheidungen werden von Geistlichen und Laien gemeinsam gefasst. Das oberste Organ unserer Kirche ist die Synode, die aus dem Bischof, den Geistlichen und den Abgeordneten der Kirchengemeinden besteht und alle drei Jahre zusammentritt.

Die Synode wählt den Bischof und den Synodalrat, der aus sechs Laien und drei Geistlichen besteht und dem Bischof bei der Verwaltung der Kirche zur Seite steht. Leitgedanke ist dabei der altkirchliche Grundsatz, dass der Bischof nicht ohne die Kirche handeln soll und die Kirche nicht ohne den Bischof.

Ein ähnliches Miteinander besteht in den einzelnen Kirchengemeinden. Auf der Gemeindeversammlung hat jeder Altkatholik und jede Altkatholikin, der/die zur Kirchengemeinde gehört, Stimm- und Wahlrecht. Die Gemeindeversammlung wählt den Pfarrer/die Pfarrerin und die Kirchengemeinderäte, die gemeinsam die Verantwortung für die Verwaltung der Kirchengemeinde tragen.

Für die Einheit der Christen
Die Altkatholische Kirche war von Anfang an bestrebt, "als Werkzeug und Vermittlungsglied einer künftigen Wiedervereinigung der getrennten Christen und Kirchen zu dienen". Sie hat sich zur Einheit der Christen bekannt, bevor es die Ökumene unserer Tage gab.

Heute ist die Altkatholische Kirche Mitglied des Ökumenischen Rates der Kirchen.

Seit 1931 besteht volle Sakramentsgemeinschaft mit den anglikanischen Kirchen. Altkatholische Bischöfe nehmen regelmäßig an der Lambeth-Konferenz, der Weltkonferenz der anglikanischen Bischöfe, teil. Auch mit der Philippine Independent Church (P.I.C.), der größten unabhängigen katholischen Kirche in Asien, besteht Sakramentsgemeinschaft. Mit den orthodoxen Kirchen wurde ein Gesprächsprozess abgeschlossen, der zu einer Kirchengemeinschaft führen soll.

Im Verhältnis zu Andersgläubigen bekennt sich die Altkatholische Kirche zum Grundsatz der Toleranz. Sie hat die Freiheit, jedem Getauften eucharistische Gastfreundschaft anzubieten.

Für ein Amt des Dienstes und der Einheit
Weil alle Getauften und Gefirmten den Heiligen Geist empfangen haben, sind sie beauftragt, die Frohe Botschaft weiterzusagen. Darum spricht man vom Priestertum aller Gläubigen und Getauften, das alle Christen zu gleichwertigen Mitgliedern der Kirche Gottes macht.

Das apostolische Amt des Bischofs/der Bischöfin, des Priesters/der Priesterin und des Diakons/der Diakonin hat einen anderen Charakter. Es hat seine Berechtigung daher, dass es mittelbar auf Jesus Christus zurückgeht.

Das apostolische Amt hat zwei Aufgaben:

  • Der Träger des Amtes dient der Gemeinde und der ganzen Kirche. Er oder sie leitet die Eucharistiefeier, verkündet das Evangelium und trägt Sorge für das sakramentale Leben in der Gemeinde.
  • Darüber hinaus steht das Amt in unserer Kirche im Dienst der Einheit. Die Geistlichen sollen Gemeinschaft fördern und erhalten. So haben sie eine besondere Verantwortung der Wegweisung. Der Bischof z.B. führt die Aufsicht über die Kirche; ihm obliegt die Sorge für die Erhaltung der Bekenntnisgrundlagen und der Liturgie.

Die Weihe ist eine wichtige Voraussetzung der Katholizität unserer Kirche. Der Bischof/ die Bischöfin wird nach seiner Wahl durch die Synode von einem Bischof der Utrechter Union unter Assistenz von zwei weiteren Bischöfen unter Handauflegung geweiht.

Priester/ Priesterinnen und Diakone/Diakoninnen werden durch Gebet und Handauflegung vom zuständigen Bischof geweiht.

Die Weihe ist allerdings nicht ohne die Zustimmung des Kirchenvolkes möglich. So wird bei der Bischofsweihe das Wahlprotokoll verlesen, bei der Priester- und Diakonatsweihe geben die Gemeinde, die Geistlichen, der Synodalrat und das Prüfungskollegium der Kirche Zeugnis über den Kandidaten ab.

Für ein Petrusamt im Dienst der Einheit
Wir Altkatholiken bekennen uns zu dem besonderen Ehrenvorrang, die der Papst als Bischof von Rom und Patriarch des Westens hat. Allerdings sehen wir ihn als Erstem unter Gleichen (primus inter pares), wie das auch in der alten, ungeteilten Kirche des Ersten Jahrtausends Brauch war.

Die Glaubenssätze von der Unfehlbarkeit und der bischöflichen Allgewalt des Papstes halten wir für ein Hindernis auf dem Weg zur Einheit aller Christen und lehnen sie daher ab.

Auch alle Glaubenssätze, die Päpste aufgrund des Dogmas von der Unfehlbarkeit verkündet haben – z.B. die unbefleckte Empfängnis Mariens oder die leibliche Aufnahme Mariens in den Himmel – sind für Altkatholiken nicht verpflichtend. Glaubenssätze sind erst dann verbindlich, wenn sie von Konzilien der ungeteilten Kirche ausgesprochen und von der Mehrheit der Christen angenommen wurden

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